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Objekt des Monats Oktober 2010

Weinbau und Weinherstellung

Zum Weinmonat Oktober zeigen wir die Wiener Ausgabe des Buches "Die Kunst Wein zu machen" des französischen Önologen Maupin, die zusammen mit den angebundenen, handschriftlichen Notizen zweier heimischer Winzer zu einer interessanten Cuvée aus französischer und österreichischer Weinbautradition wird.

Die Kunst Wein zu machen, Signatur A 254945

Für Großansicht bitte auf das Bild klicken.


Maupin, ...: Die Kunst Wein zu machen : oder Versuche über die Verbesserung aller sowohl guter, als schlechter Weine von ihrer Gährung an, zum Gebrauche aller Weinpflanzstätte; mit den wesentlichsten Grundsätzen über die Art, die Weine zu behandeln / von Herrn Maupin übersetzt. - Wien : gedruckt bey Joseph Edlen von Kurzböck, 1779. - [4], 86 S. ; 8° (10,5 x 17 cm).
Einheitssacht.: L'art de faire le vin <dt.>
Pappeinband der Zeit aus rot-weißem Kleisterpapier. Beigebunden: 47 Blatt, davon 12 mit zeitgenössischen Eintragungen zur Weinherstellung.
Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung, Sign.: A 254945


Über den Verfasser des 86 Seiten starken Bändchens wissen wir nur wenig. Monsieur Maupin (sein Vorname ist uns nicht überliefert) trat erstmals 1763 in Paris mit dem Traktat "Nouvelle méthode de cultiver la vigne" an die Öffentlichkeit. Sein Buch "L'art de faire le vin" aus dem Jahr 1772 wurde dann auch in fremde Sprachen übersetzt: 1773 erschien es erstmals auf Deutsch, 1777 auf Spanisch. Das Exemplar der Wienbibliothek, ein seltener Nachdruck aus dem Jahre 1779, entstammt der Offizin des Wiener Buchdruckers Joseph von Kurzböck und kann als Beleg für die Nachfrage an Weinbauschriften im Kontext der Volksaufklärung in Österreich gelten.


Besonders interessant an dem Exemplar der Wienbibliothek sind aber die handschriftlichen Notizen zeitgenössischer Winzer, die dem Band angebunden sind. Obwohl der Entstehungsort des Manuskripts nicht explizit genannt wird, deuten Druckort des Buches sowie gewisse dialektale Färbungen des Textes eindeutig auf den ostösterreichischen Raum hin. Zwei unterschiedliche Schreiberhände können identifiziert werden: Während der jüngere Weinbauer lediglich eine Anleitung "Fässer von der schlechtesten Beschaffenheit zu reinigen" den Notizen anfügt, hält sein Vorgänger persönliche Erfahrungswerte zu allen Aspekten des Weinbaus, der Lese, Weinherstellung und -konservierung sowie der Weinprobe fest.
Die Einträge sind überwiegend im Rezeptstil gehalten. Seine Anleitung, den "Most clar zu machen", beispielsweise formuliert der anonyme Winzer so: "Man nehmet eine gutte Hand voll Salz, macht es unter stettem Umrihren ober einem Feüer gnugnd heiss, thut solches in den Most, der da anfanget zu jähren, füllet das Vass ganz voll, so wirdt der Wein in 10 oder 12 Tägen clar und schön." Dass sich die Winzer aber auch von ihren ausländischen Berufskollegen Tricks abschauten und so zum Kultur- und Technologietransfer beitrugen, beweist die folgende Stelle, die wir für diejenigen, die sich gerne an alten Handschriften versuchen, auch im Original zeigen möchten:

Die Kunst Wein zu machen, hs. Eintragung, Signatur A 254945

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Was bey dem Lesen, und Most machen zu beobachten

In Hungarn lasset man die Trauben nit eher ablössen, bis ein Raiff darüber komen, das offt die Trauben ganz runzlet werden, gibt zwar weniger Most, aber stärkher und besser. In Ungarn stehen bisweilen die Weingebürge bis Martini, das offt die Gefrier komet, welche deren Wein die Farbe, sonderlich die erste 2 Jahr benehmet, bis man sie etlich mahl abziehet.
In der Landschafft Vivarets [Vivarais] in Frankhreich pflegen etlich eine Zeit vor dem Lesen die Stengel an der Trauben umzudrähen, damit sie ehender zeitigen sollen.
Wan 8 oder 14 Täge vor dem Lesen ein regen fallet, so macht er die Trauben schwöllen, und wan wider schönes Wetter folget, so geben sie desto mehr Most.
Einige wollen, das der Most, welcher in abnehmenden Mond gelesen wirdt, dauerhaffter seye, als in waxenden.


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